Rat stellt Weichen für Logistikunternehmen
Es war ein Schritt nach vorn, aber es gab auch einen Blick zurück. Der Gemeinderat hat den Aufstellungsbeschluss für die vierte Änderung des Bebauungsplans fürs Bonfelder Gewerbegebiet Buchäcker gefasst. Damit sind die Weichen dafür gestellt, dass gegen Ende des Jahres die Baugenehmigung für die südwestdeutsche Hauptumschlagsbasis des Logistikers Hermes erteilt werden kann.Wie berichtet, will der Paketzusteller auf jenem zentralem Grundstück des Gewerbegebiets an der A6 ansiedeln, das 2008 und 2009 als umstrittener Standort für eine Feuerverzinkerei der Firma Galvaswiss für Wirbel in der Stadt gesorgt hatte. Bernd Hofmann (FDP / FWG) als einer der Initiatoren der erfolgreichen Bürgerinitiative gegen Galvaswiss sah sich im Nachhinein nochmals bestätigt: Mit Hermes habe man mehr Arbeitsplätze, Arbeitsplätze mit einer größeren Vielfalt und keine Schornsteine in Bonfeld, sagte er mit Blick auf die seinerzeit befürchteten Schadstoffemissionen durch die Feuerverzinkerei. Wie Hofmann würdigten auch Willi Freymeyer (SPD) und Helmut Wacker (GAL) das Vorgehen der Verwaltung im Fall Hermes, die Bonfelder bereits vorab zu informieren. Bei Galvaswiss hatte sich der Widerstand nach Bekanntwerden der Ansiedlungspläne formiert; die Verwaltung hatte eine moderne Verzinkerei für unbedenklich gehalten und nicht mit Widerstand aus der Bevölkerung gerechnet.
Nicht verkneifen konnte sich Bernd Hofmann in der Sitzung am Donnerstagabend einen Seitenhieb in Richtung des Schweizer Familienunternehmens, das nach der Schlappe in Bad Rappenau inzwischen plant, in Möckmühl anzusiedeln: "Ich habe gewettet, dass sich in Bonfeld eher etwas tut, bevor in Möckmühl überhaupt gebaut wird."
Andere Sorgen hatte dagegen Klau Ries-Müller (ÖDP): Er regte an, die Verkehrsregelung am Autobahnzubringer durch den dortigen "Ampelwald" zu überdenken. Außerdem griff er einen alten kommunalpolitischen Streit auf. Nach Hermes stünden in den Buchäckern fast keine größeren Flächen mehr zur Verfügung: "Zum Glück haben wir keinen Wirtschaftsförderer eingestellt. Der wäre nun arbeitslos."
Mit der jetzt beschlossenen Änderung des Bebauungsplans wird eine für das gesamte Gewerbegebiet einheitliche Regelung angestrebt, nachdem vorübergehend intern unterschiedliche Handhabungen geplant waren. Demnach wird für die gesamten Buchäcker der Bau von Werkswohnungen ausgeschlossen.
Den Hintergrund erklärte Oberbürgermeister Hans Heribert Blättgen: Wenn niemand im Gebiet wohnt, müsse nachts nicht der Lärm abgesenkt werden, der Lärm könne also der gleiche wie tagsüber bleiben. Dies, so betonte das Stadtsoberhaupt, gelte lediglich innerhalb des Gewerbegebiets, nicht für Wohngebiete außerhalb.
Quelle: Kraichgau Stimme, 11. Juni 2011