Wohnen statt tanken.

Ungewiss ist die Zukunft der Tankstelle an der Babstadter Straße nicht nur in den Augen von Oberbürgermeister Hans Heribert Blättgen. Am Donnerstag hat der Gemeinderat den Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan gefasst, der die künftige Entwicklung auf dem Areal regelt. Nördlich des Schlossparkes sollen demnach Wohnhäuser entstehen, wo heute getankt wird; direkt an der Babstadter Straße eventuell ein paar Läden. Doch Papier ist geduldig. Ob die Planung je Realität wird, dürfte sich 2013 zeigen, wenn für Tankstellenbetreiber Svante Späth wichtige Weichenstellungen anstehen.
Anlass für Spekulation hat das Gelände in letzter Zeit gegeben. Von einer Zwangsversteigerung war in der Stadt die Rede; das passte nach Meinung vieler zur Insolvenz des Autohauses Späth vor rund acht Jahren. Doch Geschäftsführer Svante Späth stellt klar, dass das eine mit dem anderen nicht zusammenhängt. Zwar seien das Autohaus und andere Firmen der dazu gehörenden Gruppe zahlungsunfähig gewesen, nicht aber die Autoservice Späth GmbH, die die Tanke seit 2001 betreibt. "Wir haben eine sehr gute Geschäftsentwicklung", betont Späth. Und das frühere Autohaus, das zuletzt die Firma Reha-Care genutzt hatte, sei ab 1.Januar 2011 an den Kleinwagenhersteller Ligier vermietet. Ein schnelles Aus für die Tankstelle ist auch aus einem anderen Grund nicht zu erwarten: Der Vertrag mit Esso, durch eine Grunddienstbarkeit abgesichert, läuft noch bis Ende 2013. Nach Einschätzung Späths habe der Mineralölkonzern durchaus Interesse, den Standort Babstadter Straße zu halten.
Alternativen sind von Seiten der Stadt im Gespräch, etwa das Lidl-Gelände in der Riemenstraße, das auch von der Babstadter Straße aus erschlossen werden könnte. Doch Späth hat da Zweifel: Die Topographie dort eigne sich nicht für eine Tankstelle. Entschieden ist noch nichts, aber falls Esso - oder nach 2013 ein anderer Mineralölkonzern - weiterhin Interesse zeige, "bleibt die Autoservice Späth GmbH am Standort", skizziert der 63-Jährige eine Entwicklungsmöglichkeit.
Dass es auch andere Gedankenspiele gab, wurde vor zwei Jahren deutlich, als der Gemeinderat eine sogenannte Veränderungssperre für das Gelände erließ, um ein mögliches Fachmarktzentrum unweit der künftigen Schlossarkaden auszuschließen.
Der jetzt gefasste Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan ist die Folge daraus. Wobei die Stadträte die Gedankenspiele für die künftige Entwicklung der Tankstelle kritisch verfolgen. Sollte sie aufs heutige Lidl-Gelände umziehen, so machte CDU-Sprecher Klaus Hocher Bedenken geltend wegen der Nähe zur Wohnbebauung - weshalb er auch damit leben könne, wenn die Tankstelle an ihrem jetzigen Standort bliebe. Für die GAL nannte Robin Müller die Tanke grundsätzlich entbehrlich, während OB Blättgen auf Zapfsäulen in diesem Bereich der Stadt nicht verzichten möchte: "Wir brauchen eine Tankstelle an der Babstadter Straße".
Unterschiedliche Meinungen gibt es auch zur Planidee, den schmalen Weg links des Autohauses zu verbreitern. Klaus Hocher riet dazu, ganz auf den Weg zu verzichten, den Anwohner nachts ohnehin meiden. Stattdessen solle die Straße Am Schafgarten östlich der Tankstelle aufgewertet werden. Robin Müller, Rüdiger Winter (FDP / FW) und Reinhard Künzel (SPD) begrüßte den Weg dagegen.

Quelle: Kraichgau Stimme, 27.November 2010