Wirtschaftsförderung braucht einen Profi

Die deutliche Kritik muss man nicht zwischen den Zeilen herausdeuten, obwohl Klaus Hocher bemüht war, die Rüge in Watte zu packen. Mit der Wirtschaftsförderung in der Kur- und Bäderstadt ist der CDU-Sprecher unzufrieden, "ich sehe hier konkreten Handlungsbedarf". Stein des Anstoßes war der Bericht der Wirtschaftsförderung, den Oberbürgermeister Blättgen in der jüngsten Gemeinderatssitzung vorlegte.
In Personalunion ist nämlich der Rathauschef gleichzeitig der städtische Wirtschaftsförderer, unterstützt von Stadtkämmerer Gerd Kreiter. Der OB verwies in seinem Bericht auf die Bemühungen in Zusammenhang mit der Vermittlung und Vermarktung von Gewerbeflächen. Diese gehe mit der Stärkung des Einzelhandels einher. In seiner Bilanz verwies der Stadtoberhaupt auf die bereits vermarktete Gewerbeflächen im "Buchäcker", von 187.779 Quadratmeter sind aktuell 73.270 qm verkauft und 36.164 qm verkauft. Aktuell verfügbar sind im gesamten Gebiet der Großen Kreisstadt Gewerbeflächen von zusammen 185.003 qm, davon seien 56.265 qm reserviert. Intensiv sei er bei bekannten Hotelketten vorstellig geworden, "da habe ich mir immer wieder eine blutige Nase geholt", meinte OB Hans-Heribert Blättgen etwas flapsig, "die haben derzeit an Bad Rappenau kein Interesse."
In seinem Tadel monierte CDU-Fraktionssprecher Hocher ebenfalls die Klimmzüge bei der Vermarktung des Buchäckers, "solche Firmen wie Autohof, Verzinkerei oder Raiffeisenlager hätten wir vor zehn Jahren nie zugelassen", meinte er, "wir wollten ursprünglich gute Gewerbebetriebe und viele Arbeitsplätze." Als Konsequenz aus der schlechten Vermarktung von Bad Rappenau forderte Klaus Hocher "jemand mit entsprechender Qualifikation".
Dass sich Grundstücke auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten an den Mann bringen ließen, sah er am Beispiel von Nachbargemeinden wie Eppingen: "Die sind erfolgreicher". Ein ebenfalls schweres Geschütz fuhr Michael Jung von der SPD-Fraktion auf: "Wo sind die nachweisbaren Erfolge?" Er plädiert mit Nachdruck für einen hauptamtlichen Wirtschaftsförderer, der genauso gut bei einer Wirtschaftsförderungsgesellschaft angesiedelt sein könnte, "durchaus in Zusammenarbeit mit der Tourismusförderung und dem Handels- und Gewerbeverein.
Keine glückliche Konstellation sah Bernd Hofmann (FDP/FWV) in der Personalunion von Kämmerer Kreiter: "Die Aufgaben eines Kämmerers und eines Wirtschaftsförders beißen sich".
Zur Vorsicht mahnte Klaus Ries-Müller (ödp), "die Wahrscheinlichkeit, dass wir durch einen zusätzlichen Wirtschaftsförderer nur Geld verbrennen, halte ich für erheblich größer". Erneut aufs Tablett des Gemeinderats brachte Ulrich Schneider (GAL) die Forderung eines Beigeordneten. "Wenn wir uns als Große Kreisstadt ernst nehmen, brauchen wir ihn".

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung, 1. Dezember 2009